Methode
Was Helvetia News macht
Helvetia News wertet täglich die Berichterstattung von zwölf Schweizer Medien aus allen drei grossen Sprachregionen aus und fasst pro Durchlauf die drei wichtigsten Geschichten – bei drei Durchläufen am Tag rund neun Beiträge – zusammen – auf Deutsch und Französisch, in ein bis zwei Minuten Lesezeit.
Unabhängige Quellen, nicht Portale
Viele Artikel gehen auf dieselbe Agenturmeldung zurück (Keystone-SDA, AFP, Reuters, dpa, AP). Fünf Portale mit derselben SDA-Meldung zählen bei uns als eine unabhängige Quelle, nicht als fünf. Die Angabe «4 von 5 unabhängigen Quellen» bezieht sich immer auf diese bereinigte Zählung.
Übereinstimmende Fakten
Als übereinstimmend gilt eine Aussage nur, wenn mehr als die Hälfte der unabhängigen Quellen, die über die Geschichte berichten, sie stützt. Wir zeigen die Zählung zu jeder Aussage transparent an.
Abweichende Berichte
Wo Medien Unvereinbares berichten, geben wir beide Versionen wieder – zugeschrieben und im Wortlaut, ohne Urteil. Wir entscheiden nicht, wer recht hat, und erklären Meinungsverschiedenheiten auch nicht zur «Unklarheit»: Die Beschreibung des Widerspruchs ist die Leistung. Unterschiedliche Präzision («Dutzende» gegenüber «mindestens 30») werten wir nicht als Widerspruch.
Abdeckungslücken
Hat eine Sprachregion eine Geschichte nicht aufgegriffen, zeigen wir sie trotzdem – mit einem Hinweis auf die Lücke, statt sie zu verstecken.
Verhältnis zu den Verlagen
Jeder Beitrag verlinkt auf sämtliche ausgewerteten Originalartikel. Helvetia News ist als Ergänzung zu den Angeboten der Redaktionen gebaut, nicht als Ersatz: Wer die ganze Geschichte will, liest sie bei der Quelle. Artikeltexte übernehmen wir nicht; Zitate sind kurz und stets zugeschrieben. Wir lesen ausschliesslich öffentliche RSS-Feeds und umgehen keine Bezahlschranken.
Häufige Fragen
Wie werden die Themen ausgewählt?
Ein Algorithmus bewertet jede Geschichte nach der Zahl der berichtenden Medien, der Abdeckung über die Sprachregionen hinweg, der Aktualität und dem Umfang der Berichterstattung. Es gibt keine redaktionelle Themenwahl und keine Gewichtung nach Weltanschauung – die Auswahl ist rein rechnerisch und wird protokolliert.
Woher weiss das System, dass zwei Artikel dieselbe Geschichte behandeln?
Titel und Anrisstexte werden mit einem mehrsprachigen Sprachmodell in Zahlenvektoren übersetzt und auf Ähnlichkeit verglichen – auch über Sprachgrenzen hinweg. Artikel, die nur lose zum Kern der Geschichte passen, werden wieder aussortiert. Passt eine Quelle beim Publizieren nicht gut genug zur Geschichte, wird sie nicht als Quelle aufgeführt.
Wie werden Agenturmeldungen erkannt?
Zuerst über Quellenangaben wie «(sda)» oder «Keystone-SDA» im Text. Fehlt die Angabe, erkennt das System nahezu wortgleiche Artikel verschiedener Portale und zählt sie als eine unabhängige Quelle.
Ab wann gilt ein Fakt als «übereinstimmend»?
Wenn mehr als die Hälfte der unabhängigen Quellen, die über die Geschichte berichten, die Aussage stützt. Die Zählung («3 von 4 unabhängigen Quellen») steht bei jedem Fakt. Wir streben 2–3 Kernfakten pro Geschichte an – lieber wenige belastbare als viele dünne.
Wann wird eine Geschichte nicht veröffentlicht?
Wenn weniger als drei Medien berichten, wenn nach der Qualitätsprüfung weniger als zwei gut passende Quellen übrig bleiben, wenn die Geschichte bereits auf der Seite steht – und bei sensiblen Themen (Straftaten, Gerichtsverfahren, Todesfälle, Anschuldigungen) gilt eine höhere Schwelle: Ohne mindestens zwei breit gestützte Fakten erscheint keine Meldung. Besser keine Meldung als eine falsche. Zusätzlich prüft eine automatische Chefredaktion jeden Beitrag vor der Publikation und kann ihn zur Überarbeitung zurückweisen oder ganz stoppen.
Wie werden Widersprüche erkannt?
Ein Sprachmodell vergleicht die Aussagen der Quellen; ein zweites, strengeres Modell versucht anschliessend, jede Meldung zu widerlegen. Es entscheidet zwischen drei Ergebnissen:
- Widerspruch – dasselbe Ereignis, und beide Aussagen können nicht zugleich wahr sein (freigesprochen gegenüber verurteilt, unterschiedliche Täter, unvereinbare Gesamtzahlen). Nur das erscheint unter «Widersprüchliche Angaben».
- Abweichende Angaben – dasselbe Ereignis, unterschiedliche Zahlen, aber der Unterschied lässt sich plausibel damit erklären, dass die Medien zu verschiedenen Zeitpunkten gezählt haben (Vermisste, Verletzte, Evakuierte). Wir zeigen beide Angaben mit Quelle, nennen es aber ausdrücklich nicht Widerspruch.
- Kein Befund – unterschiedliche Präzision («Dutzende» gegenüber «mindestens 30»), eine Untergrenze gegenüber einem Wert, der sie erfüllt, gerundete Zahlen, oder – der häufigste Fall – die beiden Meldungen betrafen von Anfang an zwei verschiedene Vorfälle.
Getrennt davon vergleichen wir, wie die Medien dasselbe Ereignis bewerten. Das ist kein Faktenwiderspruch und steht in einem eigenen Block.
Finden wir nichts, steht das ausdrücklich da – bei zu wenigen unabhängigen Quellen kennzeichnen wir den Vergleich als nicht zuverlässig bewertbar.
Was passiert bei Fehlern?
Ein Prüflauf kontrolliert veröffentlichte Beiträge nachträglich: Passt eine Quelle nicht zur Geschichte oder ist eine Aussage nicht durch die gespeicherten Originalaussagen gedeckt, wird sie entfernt und die Korrektur öffentlich im Korrekturprotokoll vermerkt. Zusätzlich hat jeder Beitrag einen Link «Fehler melden».
Prüft ein Mensch die Beiträge?
Die Beiträge entstehen vollautomatisch; eine automatische Chefredaktion prüft jeden Entwurf vor der Veröffentlichung. Gemeldete Fehler werden von Hand geprüft und im Korrekturprotokoll offengelegt.
Wie oft wird aktualisiert?
Die Auswertung läuft mehrmals täglich – morgens, mittags und abends. Jeder Beitrag zeigt den Zeitpunkt der neusten ausgewerteten Meldung.